Mittwoch, 27.05.2020 14:26 Uhr

12. April, Ostersonntag - Erzwungene Ruhe

Verantwortlicher Autor: Gastautorin Gundelfine von Brackenheimer Früher und heute, 13.04.2020, 12:53 Uhr
Presse-Ressort von: Julia Barthold Bericht 5170x gelesen
Das rund hundertjährige Büchlein
Das rund hundertjährige Büchlein "Tägliche Hilfe", mit kleinen Impuls-Texten für jeden Tag.  Bild: Gastautorin Gundelfine von Brackenheimer

Früher und heute [ENA] Eine Gegenüberstellung von kleinen, täglichen Texten von 1919 mit aktuellen Gedanken dazu. * Was dachte man damals? Wie nahm man die Welt wahr? * Wie denken wir heute darüber? Wie nehmen wie heute wahr? * Wie denken wir heute, 100 Jahre später, über Gedanken und Wahrnehmungen von damals?

Aus dem Text zur Überschrift werde ich an diesem Tag allerdings nicht so recht schlau. Wie passt das zur Überschrift und welches Erlebnis wird da beschrieben? Was zwingt den jungen Mann denn zur Ruhe und Untätigkeit im stillen Kämmerlein? Was lässt seinen Tatendrang und seine Begeisterung erlöschen? Was treibt ihn zur inneren Einkehr? All diese Informationen fehlen und lassen die Erzählung seltsam unvollständig wirken.

Die beschriebene Reaktion der Menschen im Umfeld schließen eine Art Schulbesuch, oder zum Beispiel eine Klausur im Kloster, wohl aus. Das würde man wohl nicht als Jammer bezeichnen. Möglicherweise eine Krankheit, ein Unfall, eine Depression, oder auch eine Art Ausgangssperre. Dennoch scheint der junge Mann irgendwie zu lernen, Lektionen zu erhalten…. Ob diese Lektionen in Form von Lehre oder in Form von Erfahrung durch innere Einkehr und möglicherweise Bücherstudium erfolgen, steht da nicht. Nun gut. Aussagekräftig ist dieser Text trotzdem in dem, was er seinen Lesern an die Hand geben möchte. Vielleicht ist diese Aussage auch heute immer noch gültig und wertvoll.

Wir sollen uns nicht bange machen lassen von erzwungenen Planänderungen, von erzwungener tätlicher Untätigkeit, denn wir können davon in anderer, geistiger Weise profitieren und wachsen. Wir können daraus lernen und Erfahrung ziehen. Wir können unsere Prioritäten neu ausrichten, neu ordnen, neu gewichten. Es kann uns helfen, den im Alltag völlig zerstreuten Blich zu fokussieren und Wesentliches zu erkennen und wieder wertzuschätzen.

Die Seite im Büchlein mit dem Originaltext in Fraktur-Schrift.

Der Gewinn dieser Erkenntnisse und des geistigen Wachsens aus der Ruhe heraus, kann uns dann später helfen, wenn wir wieder anpacken und Pläne verfolgen können. Wir können Dinge gelassener angehen, uns so weniger im Klein-Klein und in Nebensächlichkeiten verlieren. Vielleicht haben wir dann gelernt, uns die Zeit einzugestehen, erstmal nachzudenken, anstatt sofort dem blinden Aktionismus nachzugehen. Vielleicht kommt es sogar zu einer gesellschaftlichen Neuordnung von Prioritäten, die wieder mehr an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen ausgerichtet ist, anstatt Ellenbogen, Zerstreuung, Materialismus, ewiges Wachstum, Ausbeutung und Unterdrückung, und nicht zuletzt der Härte gegenüber anderen und sich selbst.

TÄGLICHE HILFE (von 1919): Erzwungene Ruhe

Manchmal scheint es uns, als ob ein Leben in seiner eben begonnenen Entwicklung abgebrochen würde, aber in Gottes Augen entfaltet es sich zu immer größerer Schönheit. Da beginnt einer sein Lebenswerk mit dem ganzen Feuer der Jugend und all seiner Begeisterung einer Gott geweihten Seele. Seine Hand wird nie müde, seine Energie lässt nie nach, man erwartet große Dinge von ihm. Da wird seine Kraft plötzlich brachgelegt. Die fleißigen Hände ruhen untätig gefaltet, seine Begeisterung kann ihn nicht mehr hinaustreiben, sein Werk liegt unvollendet. "Was für ein Jammer!" sagen die Menschen. Aber warte nur. So wie Gott es ansieht , ist sein Werk nicht unvollendet. Er ruht in Demut zu des Meisters Füßen und reift als Christ heran.

Langsam und in der Stille baut sich der Geistestempel seiner Seele auf, und während er an den Aufgaben der Geduld, des Vertrauens, der Freude, des Friedens und der Liebe lernt, führt jeder Tag ihn der Vollendung näher. Bis schließlich seines Lebens Bau viel herrlicher wird, als wenn er in langen Jahren und nach hartem Müh'n seine eigenen Pläne hätte ausführen dürfen. Nun ist der Gottesplan erfüllt in seinem Leben.

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